Als es das Internet noch nicht gab, war nicht alles schlecht. So war es für Musikliebhaber das Schönste auf der Welt, die Schallplattenläden und Versandhauskataloge nach neusten Kostbarkeiten zu durchforsten. Irgendwo zwischen K-Records, Eric Hysteric und Daniel Johnston fanden sich immer wieder noch feinere, raffiniertere, sündhaft teure Spezialitäten aus Wolkenkuckucksheim in Vinyl hinein gepresst. Ja, doch: Da muss man den Kulturpessimisten von heute Recht zusprechen: Es macht einfach einen Unterschied, ob man für Scheiße Geld ausgibt oder sie umsonst aus dem Internet herausschifft. Verschwendung mit persönlicher Kontoschädigung macht am Ende den kleinen aber feinen Unterschied. Fragen Sie die Motten in der Galerie ihres Vertrauens.
In Erinnerung an diese wundervolle Zeit der Vinylkultur, fernab von kommerziellen Strickmustern hat Stefan Pabst aka Schätzmeister of Ja,Panik-Fame nun das wundervolle Kurzalbum The Wurst And The Money in Vinyl hinein ritzen lassen: Antifolk from Austria mit den Comedian Harmonists und den Royal Trux auf hoher See. Eine Fake-Zither hier, ein Rumpelbudenschlagzeug dort und immer wieder erklingt ein fordernder Tusch: „Hoch die Tassen!“. Eine Reise ins tiefste Glas, von London über Ulm nach Venedig und zurück nach Prag! Und spätestens wenn beim Spelunkenschunkler „Florian und die Karpfen“ die Korken knallen, tanzen alle imaginären Freunde in den eigenen vier Mietwänden, als gäbe es keine Morgenpost mehr. „Meine Vernunft ist mir ganz fremd, ich bin für sie nur eine temporäre Unterkunft“ spricht der erlauchte Schätzmeister während er, als stolzes Mitglied der Schallplatten-itch-Innung, die letzte Feder des Wurstvogels in die Schallplattendruckvorlage ritzt.
Und mit 333 limitierten Exemplaren geht The Wurst And The Money glatt als Kunstwerk mit Wertsteigerungsgarantie durch die Decke einer Investmentbank. Für jeden Ornithologen ab 1,7 Promille gilt bereits jetzt: Europas Vogel des Jahres 2010 ist der Wurstvogel. Und es gibt garantiert kein Geld zurück!!!
Franz Schinken, 17.2.2010